CrazyTacklereview – Abu Garcia Fantasista Studious „THREE“ FSNC-63LS BFMGS

Wie einige sicher mitbekommen haben hat Abu Garcia einige ihrer japanischen Rutenserien in stark limitierter Auflage auf den europäischen Markt. Die Ruten liegen preislich zwischen 299€ und 449€ UVP und sind damit im High-End bereich einzuordnen, zumindest was das Non-Custom-Segment angeht. Ich hatte das Glück einer der Ruten erweben zu können – die Abu Garcia Fantasista Studious „THREE“ FSNC-63LS BFMGS. Ob die Rute das Geld Wert ist und was sie kann könnt ihr in diesem Artikel lesen.

Technische Daten

Die Fantasista Studious ist eine einteilige Baitcasterrute die bei einer Länge von  190,5cm nur 102g wiegt. Sie hat ein Wurfgewicht von 1/16 bis 5/16oz (1,77-8.85g) und einen Fast-Taper. Die Besonderheit der Rute ist eine ca 31cm lange SolidTip sowie das verwendete 3M Powerlux und ein 97%iger Carbonanteil. Die Spitze hat einen Durchmesser von 0,98mm, der Blank ist 9,4mm dünn.

Lieferumfang

Im Lieferumfang ist neben der Rute auch ein schickes Neoprenfutteral enthalten. Dieses schützt die Rute zwar gut vor Kratzern, doch Autotüren oder ähnliches bleiben dennoch gefährlich. Immerhin ist zum Schutz der sensiblen SolidTip ein 51cm langes und durchsichtiges Schutzrohr aus Plastik dabei. Dieses kann auch über die montierte Rute geschoben und mittels Schaumstoffring fixiert werden. Der Reisverschluss des Neoprenfutterals ist so angeordnet, dass eine montierte Lowprofile-Rolle kein Problem darstellt.

Design

Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten und so ist auch das Design der Fantasista Studious Serie ein heiß diskutiertes Thema. Von der Spitze ausgehend sind die ersten knapp 140cm in schlichtem schwarz gehalten. Lediglich die sehr fein gehaltenen Lila Zierwicklungen lassen auf das schließen was im Griffbereich geboten wird. Ein stylischer Mix aus verschiedenen lila-Tönen auf gewebtem Carbon typischem Blank. Sicher nichts für jedermann, aber einfach mal was anderes. Diverse Zierwicklungen im Griffbereich und eloxierte Aluminiumringe auf dem Rollenhalter runden das Gesamtbild ab. Eins muss man der Studious lassen, sie sieht richtig hochwertig aus!
Auf der Oberseite des Blanks sind im Griffbereich der Name der Rute sowie die technischen Daten aufgeführt, die Rückseite enthält einen Schriftzug des verwendeten Materials. Zwischen dem Startring und dem darauf folgenden ist ein „Micro-Guide-System“-Schrifzug zu sehen. Die Griffkappe ziert das Abu Garcia typische Wappen des schwedischen Königshauses.

Griff

Der Griff ist zweigeteilt: unten hochwertiger konkav geformter Kork und oben ein Fuji-Rollenhalter mit zylindrischem Abschluss. Mit 32cm ist der Griff recht kurz, im Baitcastbereich aber nicht unüblich. Knapp 16cm davon nimmt der Korkgriff inklusive Gummibumper ein, der Rollenhalter ist ca 14cm lang. Die Studious THREE ist eine der wenigen Baitcasterruten ohne Triggergriff. Dadurch lässt sich die Rutenhand auf dem kompletten Griffteil positionieren – was sich beim Testangeln als sehr angenehm herausstellte. Direkt unter und vor der Rolle auf der Oberseite hat der Rollenhalter Aussparungen, sodass man hier direkten Blankkontakt hat. Um Gewicht zu sparen wurde die sonst glatte Rollenfassung im von Berkley bekannten „Skeletor-Style“ gehalten. Sobald eine Rolle montiert ist fällt das jedoch kaum auf und ist im Handling nicht spürbar. Die Rollenverschraubung sitzt oberhalb und arretiert mit sehr feinen Klicks. Das Klicksystem verhindert dabei ein versehentliches aufdrehen und macht einen sehr hochwertigen Eindruck.

Blank

Das neuste 3m Powerlux und NR composition Carbon wurden verwendet um diesen Hammergeilen Blank zu entwickeln. Der „Tretra-Axial Carbon Composite Blank“ der Fantasista ist  zu 97%  aus Carbon.
Beim trockenwedeln lässt sich kaum erahnen was der filligrane Blank zu leisten vermag. Die feine, eher einer Feederrute ähnelnden, SolidTip ist äußerst sensibel und geht unter Belastung zuerst in die Biegung. Danach folgt der sehr Straffe Hauptblank der mehr Power hat als ich jemals an einer so leichten Rute gesehen habe. Ingesamt ist das Aktionsbild sehr spitzenbetont und trägt, trotz SolidTip, zurecht die Bezeichnung „FAST“. Der Übergang von SolidTip zum „normalen“ Blank ist in der Aktion absolut nicht zu sehen – perfekt.

Beringung

Die Fantasista hat eine reinrassige MicroGuide Beringung mit Titaneinlagen – das non-plus ultra. Insgesamt 12 Ringe sind mit dezenten Lila Zierwicklung an der Rute angebracht. Die Verarbeitung ist dabei auf höchstem Niveau – exakte Zierwicklung, perfekt Geklebt, alles in einer Flucht und sehr sauber. Für den Preis habe ich aber auch nichts anderes erwartet! Der Startring hat einen Innendurchmesser von etwas mehr als 4mm, der Spitzenring immerhin noch knappe 3mm. Der recht dicke „Doppelte Albright“ schafft es mit 0,10mm dicker Spiderwire und einem 0,27mm Vorfach noch locker durch die Ringe. Der Schlagschnurknoten oder FG-Knoten eignen sich aber deutlich besser.

Praxistest

Die Königsdisziplin – der Praxistest. Im Laden befummelt konnte ich mir noch einreden meine Salty Stage Baitfiness Custom 692UL , mein Eigenimport ebenfalls aus dem japanischen Abu Programm die ich in diesem Video schonmal gezeigt hatte, könnte mit der Studious mithalten, doch der erste Wurf am Wasser zeigte gegenteiliges. Das Rückrat der Fantisista schleudert die Köder dermaßen heftig, dass ich erstmal die Rolleneinstellung ändern musste. Danach waren Wurfweiten mit kleinsten Ködern jenseits von gut und böse möglich. Bei gleichem Setup waren es je nach Köder bis zu 10m mehr Wurfweite – IRRE!!!!!!! Zugegeben, die Salty Stage ist deutlich weicher im Rückrat und hat nicht annähernd die Schnelligkeit, dennoch hatte ich nicht mit einer solchen Verbesserung gerechnet.
Der erste Kontakt von meinem Köder und einem Stein wurde von mir sofort mit einem Anschlag quittiert. Ich erwischte mich im Laufe des Angeltages immerwieder einen Anschlag gesetzt zu haben, wo eigentlich keiner hingehören sollte, doch die Übertragung der Rute ist einfach ÜBERRAGEND.
Trotz feiner SolidTip ließen sich Jigs super Jiggen, kleinere Twitchbaits gut twitchen und sogar Chatterbaits oder Cranks waren möglich. Für leichte Bullets bis 7g ist die Rute auch sicherlich für das Texas-Rig sehr gut geeignet.

Um euch ein genaueres Bild von der Rute machen zu können habe ich einige Köder an der Rute getestet und gebe euch meine Einschätzung dazu:

Köder-1

0.8g Rock’Head + 5cm Ripple Shad (1,83g)
Wurftechnisch sehr anspruchsvoll ist hier eher die Rolle der limitierende Faktor. Die LTZ macht sich jedoch gut und wirft knappe 20m, dabei lädt sich jedoch nur die SolidTip auf. Grundkontakt ist nicht sehr schwer zu spüren, man nimmt eher das durchsacken der Schnur in der Rute wahr. Bei der Köderanimation lässt sich das Leichtgewicht gerade so spüren.
1.5g Rock’Head + 5cm Gotam Shad (2,79g)
Ab hier fühlt sich nicht nur das Werfen, sondern auch die Rute besser an. Sie schöpft noch nicht ganz aus den vollen kann den Köder aber auf gute Weite bringen. Die Rutenspitze zeigt beim Jiggen erste Bewegungen und vermittelt dies gut ins Griffteil.
2.5g Allround Pro Jig + 5cm Cutt Shad (4,43g)
Nochmal deutlich bessere Wurfweite als mit dem knapp 3g Köder. Die Rute arbeitet hier sehr gut und beim animieren merkt man jetzt auch wirklich einen Köder an der Rute. Wohlfühlbereich erreicht.
5g Flex Round Head + 8cm Gotam Shad (8.27g)
Perfekte Wurfweite, absolut geniale Köderanimation, sehr guter Grundkontakt, Animieren problemlos.
7g Flex Round Head + 8cm Cutt Shad (11,36g)
Die 3g mehr merkt man der Rute nur bedingt an, sie animiert immernoch problemlos, der Grundkontakt ist immernoch wahnsinn und die Wurfweite stimmt. Diesen Köder kann die Rute noch und 1-2g sogar mehr, mit realen 13-14g ist dann aber der Wohlfühlbereich beendet.
10g Jig + 8cm Pulse Shad (17,6g)
Animieren geht noch recht gut, die Wurfweite ist ok aber man merkt, dass die Rute keine Reserven mehr hat und leicht überlastet ist. Die Würfe sind nur noch geschlenzt, für ein paar Würfe ist das aber noch okay. Mehr geht meiner Meinung nach aber wirklich nicht mehr. Mit einem leichteren Trailer (z.B. dem Gotam Shad) wäre der 10g Jig aber noch machbar, sollte aber nicht das Haupteinsatzgebiet sein.
5g Chatterbait + Grass Pig (11,1g)
Der Chatterbait macht mächtig druck, das stört die Rute aber nicht. Sie biegt sich bis zu den ersten paar Ringen, danach erledigt das straffe Rückrad den Job. Ich hätte auch keine bedenken einen 7g Chatterbait damit zu fischen.
8g Powerblade (8,21g)
Der Köder fliegt ohnehin schon extrem gut und die Rute bestätigt das. Bei der Animation ähnlich wie ein Chatterbait geht die Spitze etwas in die Biegekurze, doch alles noch im absoluten Rahmen.
Deep Diving Chubby(4,46g)
Der tieflaufende Chubby biegt die Spitze nochmal ein Stück weiter aber ist noch einiges weg von unangenehm. Wurfweite ist sehr gut.
Puncher 70 Sinking (7,57g)
Der Puncher fliegt und fliegt und fliegt und…. lässt sich auch getwitcht gut führen. Man mag es kaum glauben aber die SolidTip stört hier nicht! Ein Köder mit einer etwas breiten Schaufel geht sicherlich noch, einen DD Chubby  zu twitchten wird aber ungemütlich.

Fazit

Rohr-1Kaum eine andere Rute hat mich so überzeugt wie die Fantasista Studious THREE FSNC-63LS. Das Einsatzgebiet des japanischen Edelstockes ist phänomenal. Die Rute hat sau viel Power ist dabei aber immer noch sensibel, überträgt jede Kleinigkeit und macht einfach unglaublich viel Spaß. Der fehlende Triggergriff ist eher positiv hervorzugeben und gibt zumindest theoretisch die Möglichkeit auch eine Stationärrolle zu montieren – ich werds trotz des kleinen Startrings mal ausprobieren.
Um die Rute beim Transport nicht zu beschädigen habe ich mir für sehr kleines Geld ein sehr robustes Case gebaut – Bauanleitung dazu gibt es hier in kürze. Solltet ihr bedenken bezüglich der Transportlänge habe schaut euch mein Tipps & Tricks Video an, denn selbst die längste einteilige Rute bekommt man in fast jedes Auto wenn man weiß wie 😉

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Die Rute gibt’s im Videocheck bei Dirk Nestler zu sehen:

Dickes Petri und noch eine schöne Weihnachtszeit,
Euer Christopher

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